Festvortrag von Prof. Dr. Richard Riess

Professor Riess zum Reformationstag

Die Gewissheit – vor allem die Gewissheit des Menschen vor Gott, von dem Sein und Nichtsein, Heil und Verderben abhängen – sei verloren gegangen, so sah es der Theologe Gerhard Ebeling (1912 -2001), den Prof.em. Richard Riess in seinem Festvortrag am Reformationstag in unserer Kirche zitierte. Hinzu komme, dass insbesondere das Ansehen der „Institution Kirche" in letzter Zeit massiv gelitten habe – der Begriff „Fremde Heimat Kirche" bringe es auf den Punkt. Sowohl der religiös-spirituelle, als auch der säkular-kommerzielle Markt böten allerdings viele Möglichkeiten, sich „Gewissheit" zu verschaffen – z.T. abgekapselt in einer Art „Wagenburg-Mentalität". Jedoch sei es das Wort, das den Menschen erst zum Subjekt mache – zur creatura verbi, wie Luther es nennt. Es eröffne auch die Erfahrung von Gewissheit. Allerdings in beide Richtungen: Sowohl von Anerkennung, Liebe und Lob, als auch von Hass, Tortur und Fluch. Die entscheidende Kraft liegt nach den Worten von Riess im Pluralismus – im Aushalten von Verschiedenartigkeiten bis hin zu Gegensätzen. Um in dieser Vielfalt nicht unterzugehen, seien Trost, Sinn und Ordnung der Wirklichkeit die Akte des Vertrauens, die tausendfach Vertrauen schafften. Als Möglichkeiten dafür nennt Riess die Poesie des biblischen Wortes, die Liturgie der Kirche, in der wir die Fülle des Lebens feiern, den Klang der Musik und die Architektur des Kirchenraumes, die uns die Anwesenheit des Heiligen spüren lässt. Dies führe dazu, dass wir die Augen öffnen für die Wunder der Schöpfung und die Horizonte unseres Lebens. Wenn wir dann mit Kirchenvater Augustin (354 – 430) beten: „Geschaffen hast Du uns zu Dir hin und ohne Ruhe ist doch unser Herz, bis es Ruhe findet in Dir", könnten wir Gewissheit „gewinnen" – im wahrsten Sinne des Wortes als Gewinn und Geschenk.
Den gesamten Vortrag können Sie hier nachlesen.
Die Klänge der Musik, „die den Herzschlag der Welt hören" ließen, kamen von Sabine Kirchner (Sopran) und Markus Nickel (Orgel).

W. Steckbeck

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